Immunhistochemie

CK 5/14 IHC

Die Immunhistochemie oder Immunhistologie dient dem Nachweis von Zellstrukturen (meist Oberflächenproteinen - sogenannten Antigenen) durch Antikörper. Unterschiedliche industriell erzeugte Antikörpern gegen verschiedene zelluläre Proteine sind zum Nachweis von Tumoren oder auch Krankheitserregern geeignet. Die Antikörper sind oft über einen zweiten sogenannten Brückenantikörper mit einem Farbkomplex verbunden und erlauben so eine farbliche Darstellung im histologischen Präparat. 
Manchmal sind die gesuchten Proteine (Eiweiße, Antigene) durch die Fixierung des Gewebes mit Formalin (dieses dient zur Konservierung) leicht verändert. In diesem Fall müssen die Antigene im Gewebe durch eine spezielle Vorbehandlung wieder freigelegt werden (Antigendemaskierung).
Die verschiedenen Arbeitsschritte der Immunfärbung selbst sind in der Regel automatisiert und erfolgen in einem Immunautomaten.
Die Immunhistochemische Untersuchung gewinnt immer mehr an Bedeutung, da mit ihrer Hilfe tumorspezifische Proteine erkannt werden können - dies erleichtert die Tumordiagnose. Außerdem können Tumoren schon vor der Therapie auf ihre Empfindlichkeit gegenüber speziellen Medikamenten getestet werden (Herceptin beim Mammakarzinom, Wachstumsfaktor beim Dickdarmkarzinom).



Erklärungen 

Antikörper:
Antikörper (Immunglobuline) sind Eiweißstoffe , die der Mensch und die Wirbeltiere zur Abwehr von Antigenen (Infektionserregern oder körperfremdem biologischem Material) produzieren.
Antikörper sind zentrale Bestandteil des Immunsystems. Untersucht man das Blut mittels der Elektrophorese , dann findet man Antikörper in der Gruppe der Gammaglobuline. Antikörper weisen eine y-förmige Struktur auf. Sie werden in den Plasmazellen (aus der B-Zell-Reihe der Lymphzyten) produziert.
Es gibt im Körper verschiedene Gruppen von Antikörpern: 
IgA 
Wird von den Schleimhäuten der Atemwege, der Augen und des Magen-Darmtraktes abgegeben und schützt diese vor dem Eindringen von Fremdeiweiß oder Erregern. Kommt oft in Paaren vor = YY.
IgE 
IgE ist an der allergischen Sofortreaktion beteiligt und verbindet sich mit der Oberfläche der Mastzellen. Die Mastzelle schüttet das stark gefäßerweiternde Hormon Histamin aus, wenn es mit dem Antigen in Kontakt kommt. 
IgM 
Wird sofort nach dem Kontakt mit Antigenen gebildet und zeigt die akute Infektionsphase einer Krankheit an. 
IgG 
Wird erst in einer verzögerten Abwehrphase gebildet und bleibt lange erhalten. Zeigt eine durchgemachte Infektion an. 

Die in der Immunhistologie eingesetzten diagnostischen Antikörper entstammen der IgG-Klasse und werden industriell mit gleichbleibender Struktur hergestellt.

Antigene:
Antigene (kurz für Antisomatogene) sind genügend große Moleküle , die vom Immunsystem bekämpft werden, weil sie vom Körper als fremd angesehen werden. Als Antigene können größere Moleküle (Kohlenhydrate, Proteine, Lipide etc.) und in den Körper eingedrungene Fremdkörper (Pollenkörner, Kot von Hausstaubmilben) aber auch körpereigene Strukturen (Autoimmunreaktion) fungieren. Verschiedene niedermolekulare Stoffe wie zum Beispiel Peptide (kleine Proteinbruchstücke) verbinden sich manchmal mit körpereigenen Proteinen und verändern diese dadurch soweit, dass der Körper sie als fremd empfindet und bekämpft.
Kleinere Moleküle wie einzelne Kohlehydrate , Amino- oder Fettsäuren oder Atome können keine Immunreaktion bewirken.
Gewöhnlich sitzen Antigene auf der Oberfläche von Zellen, Bakterien oder Viren. 
Hat der eigene Körper solche Oberflächenstrukturen als fremd erkannt, werden sie durch Antikörper bekämpft, die von bestimmten Zellen des Immunsystems produziert werden. Die Antikörper heften sich an die Antigene und behindern so z.B. die Vermehrung von Viren. Für jedes Antigen muss ein ganz bestimmter, dazu passender Antikörper produziert werden (Schlüssel-Schloss-Prinzip).